Migrol Central | Gerliswilstrasse

MIGROL CENTRA L I GERSLISWILERSTRASSE I DOSSIER FACHPL ANERAUSSCHREIBUNG I 05.02.2020

AUSGANGSLAGE UND STÄDTEBAULICHE SITUATON

Das Grundstück liegt an einer städtebaulich sehr «intensiven beanspruchten Lage» in Emmenbrücke. Die Parzelle ist umzingelt von der Eisenbahnachse, dem Bahnhofsareal, der stark frequentierten Gerliswilerstrasse und dem Centralplatz. Das Viscosiareal und der Seetalplatz liegen in unmittelbarer Nähe.
Das Projekt bildet den südlichen Auftakt der Häuserzeile an der Gerliswilerstrasse, welche durch das Projekt «Central Plaza» am nördlichen Ende einen Akzent erhalten hat. Nach der Verzweigung Gerliswilerstrasse – Rüeggisingerstrasse wird die Gerliswilerstrasse als geschlossene Häuserzeile weitergeführt.
Die Volumetrie des Projekts ergibt sich durch den im Bebauungsplan definierten Baubereichs. Der Neubau wird im Erdgeschoss die heutige, bestehende Tankstelle einbinden, während in den darüber liegenden Geschossen Wohnungen erstellt werden. Aufgrund der urbanen Lage werden nicht primär Familien mit Kindern angesprochen, sondern es entstehen attraktive Wohnungen für Studierende, Singles, Paare und ältere Personen, welche die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Infrastruktur schätzen.
Die Tankstelle und der zugehörige Tankstellenshop werden von der Gerliswilerstrasse her erschlossen, während die Bewohner der Obergeschosse ihre Adresse vom vorgelagerten städtischen Platz Richtung Bahnhof erhalten. Dieser Platz verankert das Haus direkt mit dem Ort, indem die Fassadenstruktur auf den Platz projiziert wird. So zeichnen unterschiedliche Bodenbeläge die Struktur des Gebäudes als Interpretation nach und es entsteht dabei ein angemessener Vorbereich mit einladenden Aufenthaltsqualitäten und einer starken eigenen Identität. Die Materialität des Platzes ist der Fassadengestaltung entliehen: Einerseits gibt es lineare Elemente, welche analog des Gebäudes den Platz gliedern, andererseits gibt es die «Ausfachungen», welche im Platz als Klinker-Bodenbelag ihr Pendant finden. Diese Struktur wird mit Pflanzinseln aufgelockert und dienen auch als Sitzgelegenheiten vor dem Haus.

DIE ARCHITEKTONISCHE GESTALTUNG

Im umliegenden Geviert sind die Industriebauten mit ihren Betonstrukturen und den Ausfachungen prägend. Der vorliegende Entwurf orientiert sich an diesen Strukturen, ohne anbiedern zu wollen. Der Baukörper wird in einen Sockel, die Wohngeschosse und ein Attikageschoss gegliedert. Der Sockelbereich ist geprägt durch die Tankstellennutzung, welche robust und praktisch materialisiert wird. Dabei sollen Klinkerplatten als Verkleidung der Stützen zur Anwendung kommen um dem Tankstellenlook einen angemessenen Ausdruck zu verleihen. Die oberen Stockwerke erhalten eine Struktur in Sichtbeton und ebenfalls Ausfachungen resp. Füllungen in Klinker. Die Klinkerplatten werden gezielt vertikal und horizontal eingesetzt, um eine zusätzliche optische Gliederung der Fassade zu

erwirken. Ein weiteres gestalterisches Element sind die Brüstungen aus Riffelglas mit Sichtbetonfassungen. Zum Platz hin erhält der Baukörper zwei zweigeschossige Bereiche: Der Eingangsbereich und im vierten Obergeschoss eine zweigeschossige Aussenterrasse. Die Terrasse dient als gemeinschaftlichen Aussenraum und bildet gleichzeitig einen Blickfang im Stadtgefüge, gleichzeitig bietet er den Bewohnern einen Begegnungsort an attraktiver Aussichtslage.

WOHNUNGSTYPOLOGIE, WOHNUNGSSTRUKTUR UND ERSCHLIESSUNG

Vom Bahnhofplatz her betritt man den Eingangsbereich für die Wohnungen. Die Briefkastenanlage, der Vorbereich für den Lift und die Treppe befinden sich hier. Die Treppe ist bewusst an der Fassade positioniert, damit sie von aussen von weit her sichtbar ist und dadurch spürbar wird, dass sich im Innern des Gebäudes gelebt wird. Obwohl der Eingang im Erdgeschoss verglast ist, befindet man sich im unbeheizten Bereich, denn die Treppe führt direkt zum jeweiligen aussenliegenden Laubengang der oberen Geschosse. Der Laubengang erschliesst bahnseitig pro Geschoss sechs bis acht Wohnungen (je nach Typenwahl). Durch die rhythmischen Vor- und Rücksprünge der Zimmerschicht entsteht bei jeder Wohnung eine privatere Vorzone. Diese Zonierung entlang des Laubengangs schafft für die Zimmer eine etwas grössere Privatheit, dennoch ermöglicht der Laubengang auch einen nachbarschaftlichen, sozialen Kontakt zwischen den Bewohnern. Am anderen Ende des Gebäudes befindet sich die zweite Treppe, die eigentlich nur als Fluchttreppehaus ausgebildet ist.

WOHNUNGSTYPEN UND PLANUNGSFLEXIBILITÄT

Die geplanten Wohnungen sind zwar seriell und rationell konzipiert, dennoch bleibt noch genügend Planungsflexibilität. Die Wohnungen werden über die Küche erschlossen und sind als 1.5 bis 3.5 Zimmerwohnungen ausformuliert. Alle Wohnungstypen erhalten einen offenen Wohn-Essbereich, der sich jeweils vom Laubengang bis zum Balkon an der Gerliswilerstrassen-Seite ausdehnt. Auf Seite der Gerliswilerstrasse liegt eine durchgehende Balkonschicht, welche zugleich als Lärmschutzmassnahme dient. Auch auf dieser Fassadenseite springt die Zimmerschicht vor und zurück, damit die Zimmer über die Fenster zum Balkon belüftet werden können und nicht zum Verkehrslärm geöffnet werden müssen. Die Vor-und Rücksprünge der hinteren Fassadenebene gegenüber der Balkonschicht verleihen der Fassade eine räumliche Tiefe, welche zur attraktiven Erscheinung beiträgt.
Der Wohnungsmix kann mit dem vorliegenden Projekt noch beeinflusst werden, ohne dass dabei die konzeptionelle Idee der Fassadengestaltung verändert werden muss. Das Projekt kann während der Planungszeit noch auf die Wünsche und Vorstellung des Investors reagieren.